Chinesisches Neujahr Datum: warum Mondphasen und rote Laternen den jährlichen Wechsel erklären

Warum ändert sich das Datum des chinesischen Neujahrs jedes Jahr?

Das chinesische Neujahr wird nach dem chinesischen Mondkalender bestimmt und fällt deshalb jedes Jahr auf einen anderen Tag. In der Regel ist es der zweite Neumond nach der Wintersonnenwende. Etwa alle zwei bis drei Jahre fügt der Kalender einen Schaltmonat ein, damit Mond und Sonne nicht auseinanderlaufen. Dadurch liegt das Frühlingsfest immer zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. Im Detail stecken einige Fallstricke: Viele Seiten nennen fälschlich den ersten Neumond. Außerdem geben Tierkreis-Rechner für Geburtstage Anfang Februar manchmal ein anderes Tierjahr an.

Kurz gefasst

  • Ein Mondmonat dauert rund 29,5 Tage, zwölf davon ergeben nur 354 oder 355 Tage.
  • Ohne Schaltmonat fällt Neujahr meist etwa 11 Tage früher als im Vorjahr, nach einem Schaltjahr 18 bis 19 Tage später.
  • Termine: 29. Januar 2025, 17. Februar 2026, 6. Februar 2027.
  • Lìchūn, der solare Frühlingsbeginn, liegt fast immer am 4. Februar und gilt in der BaZi-Astrologie als Jahreswechsel.

Die kurze Antwort: Das Neujahr folgt dem Mond, nicht der Sonne

Deutschland, die Volksrepublik China und Taiwan verwenden im Alltag den gregorianischen Kalender. Er ist ein reiner Sonnenkalender, dessen Monate lediglich Rechengrößen sind. Der chinesische Lunisolarkalender arbeitet dagegen mit zwei Taktgebern: Seine Monate folgen dem Mond, und sein Jahr bleibt durch Korrekturen an die Sonne gebunden.

Von Neumond zu Neumond vergehen im Mittel rund 29,5 Tage. Chinesische Monate haben daher 29 oder 30 Tage. Zwölf solcher Monate ergeben 354 oder 355 Tage, während das Sonnenjahr gut 365 Tage zählt. Dem Mondjahr fehlen folglich jedes Jahr etwa elf Tage. Ohne Ausgleich würde der Jahresbeginn im gregorianischen Kalender immer weiter nach vorn wandern und mit der Zeit durch alle Jahreszeiten laufen.

So funktioniert der chinesische Lunisolarkalender

Im kaiserlichen China war der Kalender Staatssache. Feste um diese Jahreszeit lassen sich bis in die Shang-Dynastie zurückverfolgen, und unter der Han-Dynastie verfestigte sich das System, auf dem das heutige Neujahr beruht. Die seit etwa 1600 gültigen Fassungen der Kalender in Ost und West gehen übrigens beide auf deutsche Jesuiten zurück: Der gregorianische Kalender auf Christoph Clavius aus Bamberg, der chinesische Chongzhen-Kalender auf Adam Schall von Bell aus Köln. Anders als der westliche Kalender rechnet der chinesische astronomisch, nämlich mit dem wahren Lauf von Sonne und Mond statt mit Mittelwerten. Im 20. Jahrhundert übernahm China den gregorianischen Kalender für Verwaltung und Wirtschaft. Für die Feste blieb jedoch der traditionelle Kalender maßgeblich. Wie Monate und Jahre im Einzelnen berechnet werden, zeigt unser Beitrag zu Aufbau und Berechnung des chinesischen Mondkalenders.

Schaltmonate: Warum das Fest nie in den März rutscht

Um die fehlenden Tage auszugleichen, schiebt der Kalender etwa alle zwei bis drei Jahre einen 13. Monat ein. Ein solches Jahr umfasst 383 oder 384 Tage. In einem Zyklus von 19 Jahren stehen zwölf gewöhnlichen Jahren sieben Schaltjahre gegenüber. Welcher Monat verdoppelt wird, bestimmt die Sonne. Erreicht sie zwischen zwei Neumonden keinen der Hauptpunkte unter den 24 Sonnenzeitpunkten, gilt dieser Monat als Schaltmonat. Er trägt dann den Namen des Vormonats mit einem Zusatz.

Für das Neujahrsdatum hat das direkte Folgen. Ohne Schaltmonat fällt das Fest meist rund elf Tage früher als im Vorjahr. Nach einem Schaltjahr springt es dagegen um 18 bis 19 Tage nach hinten. Dieser Wechsel hält das Fest zuverlässig im erlaubten Fenster.

Die Regel vom zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende

Fixpunkt der Berechnung ist die Wintersonnenwende um den 22. Dezember, die per Definition immer in den elften Monat fällt. Der folgende Neumond eröffnet den zwölften Monat, erst der nächste den ersten. Neujahr ist daher der zweite Neumond nach der Wintersonnenwende. Nur wenn ausnahmsweise ein Schaltmonat dazwischentritt, wird es der dritte.

Häufig liest man, das Fest beginne mit dem ersten Neumond nach der Sonnenwende. Diese Aussage ist falsch, auch wenn ich sie in interkulturellen Trainings immer wieder auf Präsentationsfolien entdecke. Der erste Neumond nach dem 22. Dezember fällt spätestens um den 21. Januar und leitet lediglich den letzten Monat des alten Jahres ein. Aus der korrekten Regel ergibt sich das Zeitfenster vom 21. Januar bis 20. Februar.

Warum der Neumond nach Pekinger Zeit berechnet wird

Maßgeblich ist der Zeitpunkt des Neumonds nach Pekinger Zeit (UTC+8). Das wirkt spitzfindig, entscheidet aber über den Kalendertag. Fällt der astronomische Neumond kurz nach Mitternacht in Peking, herrscht weiter westlich noch der Vortag. Vietnam berechnet seinen Mondkalender in der eigenen Zeitzone, die eine Stunde hinter Peking liegt. Deshalb kann das vietnamesische Neujahr, das Tet-Fest, in einzelnen Jahren einen Tag früher beginnen, obwohl beide Kalender denselben Regeln folgen. Dasselbe gilt für Monatsanfänge im Jahresverlauf. Wenn Sie eine Reise nach Vietnam und China rund um die Festtage planen, prüfen Sie beide Termine deshalb getrennt.

Neumond oder Lìchūn: Wann beginnt das neue Tierkreisjahr?

Neben dem Mondneujahr kennt der chinesische Kalender einen zweiten Jahresanfang: Lìchūn, wörtlich „Beginn des Frühlings“. Er ist der erste der 24 Sonnenzeitpunkte und richtet sich allein nach der Sonne. Deshalb fällt er fast immer auf den 4. Februar, gelegentlich auf den 3. oder 5. Februar.

Die Astrologie BaZi setzt den Wechsel der zwölf Tierkreiszeichen auf Lìchūn. Volkstümlich und in den meisten Kalendern wechselt das Tier hingegen am Neujahrstag. Für Geburten zwischen diesen beiden Terminen liefern Rechner daher unterschiedliche Ergebnisse:

  • Geboren am 1. Februar 2025: nach dem Mondneujahr (29. Januar) Schlange, nach Lìchūn noch Drache.
  • Geboren am 10. Februar 2026: nach Lìchūn bereits Pferd, nach dem Mondneujahr (17. Februar) noch Schlange.

Keine der beiden Angaben ist falsch, denn sie beantworten unterschiedliche Fragen. Was die Tiere kulturell bedeuten, erläutert unser Überblick über die zwölf Zeichen des chinesischen Tierkreises.

Die Termine von 2025 bis 2027 im Überblick

JahrVorabendNeujahrTierkreiszeichenLaternenfest
202528. Januar29. JanuarSchlange12. Februar
202616. Februar17. FebruarPferd3. März
20275. Februar6. FebruarZiege20. Februar

Die Verschiebung lässt sich leicht nachrechnen. Das Mondjahr 2025 enthielt einen Schaltmonat und dauerte 384 Tage. Ab dem 29. Januar 2025 gezählt landet man beim 17. Februar 2026, also 19 Tage später im Sonnenjahr. Das Jahr des Pferdes hat hingegen keinen Schaltmonat und dauert nur 354 Tage. Folglich beginnt das nächste Jahr elf Tage früher, am 6. Februar 2027. Bräuche wie das Familienessen mit Jiaozi, rote Umschläge oder die Legende vom Ungeheuer Nian folgen alle diesem beweglichen Datum. Die Termine bis in die nächsten Jahrzehnte finden Sie in unserer Übersicht der Neujahrsdaten der kommenden Jahre.

FAQ

Wann beginnt der chinesische Kalender?

Das chinesische Kalenderjahr beginnt am ersten Tag des ersten Mondmonats, also am Neujahrstag. 2027 ist das der 6. Februar. Historisch reichen Feiern zu dieser Jahreszeit rund 3.500 Jahre zurück bis in die Shang-Dynastie. Unter der Han-Dynastie verfestigte sich der Kalender. In sehr frühen Zeiten galt zudem die Wintersonnenwende als Jahreswende, erst später rückte der Frühlingsbeginn in den Mittelpunkt.

Wie lange geht das Neujahrsfest in China?

Traditionell dauert das Fest 15 Tage. Es reicht vom Vorabend mit dem Familienessen bis zum Laternenfest am 15. Tag, das den ersten Vollmond des Jahres feiert. Offiziell kennt die Volksrepublik China drei gesetzliche Feiertage. Viele Beschäftigte hängen jedoch Urlaub an, und manche Fabriken schließen drei bis vier Wochen. Planen Sie Lieferungen und Geschäftstermine mit chinesischen Partnern deshalb schon im Herbst.

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