Die Bräuche zum chinesischen Neujahr folgen drei Gedanken. Sie sollen das Ungeheuer Nian und andere böse Geister vertreiben, über Wortspiele Glück und Wohlstand ins neue Jahr holen und die Familie zusammenführen. Daher kommen die rote Dekoration, das Feuerwerk, der Fisch auf dem Tisch und das Familienessen am Silvesterabend. Gefeiert wird bis zum Laternenfest am 15. Tag. Wer diese Gründe kennt, versteht auch, warum eine Regel in einer Familie streng gilt und in der nächsten belächelt wird. Korea, Vietnam und die chinesischen Gemeinden in Deutschland feiern außerdem mit eigenen Schwerpunkten.
Kurz gefasst
- 2026 ist das Jahr des Feuerpferdes (Beginn am 17. Februar 2026). Am 6. Februar 2027 folgt die Ziege, auch Schaf genannt.
- Ablauf: Vorbereitungen etwa zwei Wochen vorher, Höhepunkt am Silvesterabend, Abschluss am 15. Tag.
- Rote Umschläge enthalten gerade Beträge, gern mit der Acht und nie mit der Vier.
- Tabus wie das Haareschneiden sind verbreitet, gelten aber nicht überall.
Im selben Ratgeber: Chinesisches Neujahr 2027: Datum, Mondkalender und Tierkreis · Chinesischer Tierkreis: die zwölf Zeichen und ihre Bedeutung
Woher die Bräuche kommen: Mondkalender, Nian-Legende und die Farbe Rot
Das chinesische Neujahrsfest heißt auf Chinesisch Chūnjié und wird auch Frühlingsfest genannt. Es richtet sich nach dem Mondkalender und beginnt mit dem zweiten, selten dem dritten Neumond nach der Wintersonnenwende. Deshalb liegt es immer zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. Wie das lunisolare System rechnet, erklärt unser Beitrag zum Aufbau des chinesischen Mondkalenders. Die Wurzeln des Festes reichen vermutlich bis in die Shang-Dynastie zurück, also mehr als 3.000 Jahre.
Viele Bräuche erklärt die Legende vom Ungeheuer Nian (年, nián). Das Wort bedeutet zugleich „Jahr“. Nian soll zum Jahreswechsel aus dem Meer gestiegen sein und die Dörfer heimgesucht haben. Vertreiben ließ es sich nur durch Lärm, Feuer und Rot. Die Farbe Rot steht für Glück, Freude und Lebenskraft. Weiß ist dagegen die Farbe der Trauer.
Vor dem Fest: Großputz, Küchengott und Glückssprüche an der Tür
Rund zwei Wochen vor Neujahr beginnt der Großputz. Mit dem Staub soll auch das Pech des alten Jahres das Haus verlassen. Viele begleichen in dieser Zeit ihre Schulden und legen Streit bei.
Sieben Tage vor dem Fest verabschieden die Familien den Küchengott Zào Jūn. Er reist zum Jadekaiser und berichtet ihm über den Haushalt. Damit er nur Gutes erzählt, bekommt er süßen, klebrigen Reis: Das versüßt ihm die Worte und verklebt ihm den Mund. Vier Tage nach Neujahr wird er mit Tee und Früchten wieder empfangen. Dann kommt die Tür an die Reihe:
- Duilian (对联, duìlián): rote Spruchpaare links und rechts des Eingangs, die Frieden und Glück wünschen.
- Fu-Zeichen (福, fú, „Glück“): Es hängt oft kopfüber, denn „umgedreht“ (dào) klingt wie „angekommen“ (dào). Das Glück ist also da.
- Rote Laternen und Mandarinen, deren Name an Erfolg erinnert.
Silvesterabend und Neujahrstage: Familie, Hongbao und Feuerwerk
Am Silvesterabend sitzt die Familie am runden Tisch, der für Einheit steht. Um dabei zu sein, reisen Millionen Menschen durch das Land. Diese Reisewelle heißt Chunyun (春运, chūnyùn) und gilt als die größte Völkerwanderung der Welt. Für die rund 40 Tage um das Fest 2026 rechnete Chinas Entwicklungs- und Reformkommission mit etwa 9,5 Milliarden Einzelreisen. Um Mitternacht öffnen viele Familien die Fenster, um das Glück hereinzulassen. Danach folgt das Feuerwerk. In den meisten Großstädten wie Peking gilt allerdings ein Böllerverbot gegen die Luftverschmutzung.
Ältere verschenken Hongbao (红包, hóngbāo), also rote Umschläge mit Geld, vor allem an Kinder. Auch hier zählt der Klang der Zahlen. Gerade Beträge stehen für Harmonie, die Acht gilt als Glückszahl. Die Vier wird gemieden, weil sie wie „Tod“ klingt. Üblich sind neue Scheine. Den Umschlag nimmt man mit beiden Händen an und öffnet ihn nicht vor der Person, die ihn schenkt. Heute verschicken viele Hongbao auch digital über Apps wie WeChat. In Deutschland genügt eine symbolische, gerade Summe in Euro. Wie hoch sie ausfällt, hängt davon ab, wie nah man sich steht.
In den Neujahrstagen besucht man Verwandte und denkt an die Ahnen. Am Hausaltar oder vor Ahnentafeln stellen Familien Speisen, Tee und Früchte auf, zünden Räucherstäbchen an und beten gemeinsam für die Seelen der Vorfahren. Die Verstorbenen gelten so als Teil des Festes. Manche besuchen zusätzlich Gräber oder Tempel. Am fünften Tag ehrt man Caishen (财神, cáishén), den Gott des Reichtums.
Glücksspeisen auf dem Tisch und ihre Bedeutung
Die meisten Neujahrsgerichte wirken über ihre Form oder ihren Klang. Fisch (鱼, yú) klingt wie „Überfluss“, deshalb bleibt oft ein Rest übrig. Im Norden gehören Teigtaschen (Jiaozi) (饺子, jiǎozi) dazu, weil sie an alte Silberbarren erinnern. Im Süden isst man Nian Gao (年糕, niángāo), einen Klebreiskuchen, dessen Name wie „jedes Jahr höher“ klingt. Dazu kommt Tangyuan (汤圆, tāngyuán): süße Reisbällchen, die für das Zusammensein stehen. In Xinjiang lassen muslimische Uiguren das Schweinefleisch weg.
Tabus und Aberglaube: Was man zum Neujahr lieber vermeidet
Die bekannten Neujahrstabus beruhen auf Wortspielen, sind aber kein allgemeingültiges Regelwerk. Verbreitet sind diese:
- Haare schneiden: Haar (发, fà) klingt wie fā, „reich werden“. Den Friseurbesuch erledigt man deshalb vorher.
- Fegen an den ersten Tagen, weil man sonst das Glück hinauskehrt.
- Schuhe kaufen, denn 鞋 (xié) klingt wie das Wort für „böse“.
- Weiße Speisen wie Tofu oder Eier, weil Weiß Trauer bedeutet.
- Geld verleihen oder Schulden eintreiben.
Wie unterschiedlich diese Regeln gelebt werden, zeigen Stimmen aus Berlin, die Berlin-live.de im Februar 2026 gesammelt hat. Eine Frau aus Südchina hatte vom Verbot, sich die Haare zu waschen, noch nie gehört und lachte darüber. Eine Taiwanerin dagegen verzichtet zum Fest auf den Haarschnitt und fegt nicht. Wichtig sind beiden dieselben Dinge: die Familie und das gemeinsame Essen.
Vom Laternenfest bis Seollal und Tết: Mondneujahr über China hinaus
Das Laternenfest am 15. Tag (元宵节, Yuánxiāo Jié) beendet die Festzeit. Es gibt Laternen mit Rätseln, Tangyuan und Drachen- und Löwentänze, deren Trommeln böse Geister vertreiben sollen. Ladenbesitzer „füttern“ den Löwen mit roten Umschlägen.
Das Mondneujahr wird auch außerhalb Chinas gefeiert, meist am selben Tag:
| Land | Name | Typische Speise | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| China | Chunjie | Jiaozi, Nian Gao | rote Hongbao |
| Korea | Seollal | Tteokguk | Ahnenritual Charye |
| Vietnam | Tết | Bánh chưng | Katze statt Hase |
In Korea beginnt der Tag mit dem Ahnenritual Charye an einer gedeckten Tafel. Danach verbeugen sich die Jüngeren vor den Älteren (Sebae) und bekommen Geld, oft in weißen statt in roten Umschlägen. Wer die Reiskuchensuppe Tteokguk gegessen hat, gilt als ein Jahr älter. In Vietnam schmücken Pfirsich- oder Aprikosenblüten die Wohnungen. Kinder erhalten Lì xì, also Glücksgeld, und im Tierkreis steht die Katze an der Stelle des Hasen. Mehr dazu lesen Sie im Überblick über die zwölf Tierkreiszeichen und ihre Bedeutung.
Chinesisches Neujahr in Deutschland respektvoll mitfeiern
In Deutschland feiern chinesische und andere asiatische Gemeinden vor allem zu Hause und im Freundeskreis. Öffentlich wird das Fest in Berlin, Hamburg und Frankfurt mit Umzügen, Bühnenprogrammen, Märkten und Löwentänzen. In Berlin hat das Europa-Center in der City West schon Feste ausgerichtet, teils vor dem eigentlichen Neujahrstag. Wer nicht heimreisen kann, verschenkt Neujahrssüßigkeiten an Freunde oder schickt der Familie digitale Hongbao.
Wenn Sie eingeladen sind, bringen Sie Mandarinen oder Süßes in gerader Zahl mit, verzichten auf weiße Geschenke und wünschen „Xīnnián kuàilè“, also ein frohes neues Jahr. Bei koreanischen oder vietnamesischen Gastgebern ist „Mondneujahr“ die passendere Bezeichnung. Termine für das nächste Fest finden Sie unter Datum und Festzeit 2027.
FAQ
Was darf man während des chinesischen Neujahrs 2026 nicht machen?
Verbreitet sind folgende Tabus: an den ersten Tagen nicht fegen, keine Haare schneiden, keine Schuhe kaufen, keine weißen Speisen servieren, kein Geld verleihen und nichts mit der Zahl Vier verschenken. Sie gehen auf Wortspiele und Farbsymbolik zurück und gelten nicht in jeder Region oder Familie. Für das Jahr des Feuerpferdes kommen keine zusätzlichen Verbote hinzu. Im Zweifel fragen Sie Ihre Gastgeber.
Welches Tierkreiszeichen ist im chinesischen Neujahr 2027?
Am 6. Februar 2027 beginnt das Jahr der Ziege, das in manchen Übersetzungen auch Jahr des Schafs heißt. Das chinesische Zeichen 羊 (yáng) steht für beide Tiere. Mit dem Element Feuer ergibt sich ein Feuer-Ziegen-Jahr. Die Ziege folgt auf das Pferd und ist das achte der zwölf Tierkreiszeichen.
Wann fangen die chinesischen Feiertage an?
Gefeiert wird ab dem Silvesterabend, dem letzten Tag des alten Mondjahres, bis zum Laternenfest am 15. Tag. Die Vorbereitungen beginnen etwa zwei Wochen vorher. In China ist das öffentliche Leben fast eine Woche lang stark eingeschränkt. 2027 fällt Silvester auf den 5. Februar und Neujahr auf den 6. Februar. Wenn Sie Glückwünsche oder eine Einladung planen, merken Sie sich diese Daten am besten schon jetzt vor.
Als 42-jähriger Sinologe und interkultureller Berater beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit den kulturellen und sprachlichen Verbindungen zwischen Europa und China. Meine Leidenschaft liegt darin, Brücken zu bauen und kulturelles Verständnis zu fördern.



